Die Grundstufe

In unserer Grundstufe lernen und arbeiten die Kinder in altersgemischten Klassen, der Jahrgänge 1 bis 4. Jeweils zwei Pädagoginnen oder Pädagogen begleiten sie dabei. Ab 8.15 Uhr morgens erreichen die ersten Schulbusse unsere ländlich gelegene Idylle. Wenn die Kinder im Klassenzimmer eintreffen, können sie gleich mit der Arbeit beginnen oder wir starten mit einem gemeinsamen Morgenkreis in den Tag.

Eine Frühstückspause und ein Schlusskreis, bei dem die Kinder den Tag und ihre Arbeit reflektieren, sind weitere Elemente, die den Vormittag klar strukturieren.

Während der Freiarbeitsphasen können die Kinder weitgehend eigenständig entscheiden, welcher Arbeit sie nachgehen wollen. Sie dürfen auch darüber entscheiden, mit welchem Material, wie lang, ob am Tisch oder am Boden und darüber, ob sie alleine oder mit anderen Kindern, arbeiten wollen. Hauptaufgabe der Pädagoginnen und Pädagogen ist es, diese Prozesse zu begleiten, zu unterstützen und manchmal auch anzuleiten. Je nach beobachtetem Verhalten müssen sie aber auch Grenzen setzen. Dem selbstverantwortlichen Lernen kommt in der Montessori-Pädagogik zentrale Bedeutung zu. Eigeninitiative und Anstrengungsbereitschaft sind wichtige Voraussetzung zum Gelingen.

Die Kinder bekommen Einführungen in die Arbeit mit dem Montessori-Material und ihnen stehen neben täglichen, unterschiedlichsten Angeboten und größeren Projekten zusätzlich ein weites, naturnahes und vielfältig arrangiertes Außengelände , sowie zahlreiche Werkstätten zur Verfügung. Holzwerkstatt, Textilwerkstatt, Küche, Malwerkstatt, Musikraum, Töpferwerkstatt, Englischraum und Experimentierraum erweitern und bereichern das schulische Arbeiten in den vier Gruppenräumen. Um 13 Uhr endet der offizielle Schultag mit der Schulbusheimfahrt. Kinder, die noch am Angebot der offenen Ganztagsschule bis 16 Uhr teilnehmen, haben die Möglichkeit in der schuleigenen Cafeteria einen Mittagstisch einzunehmen. Das Essen wird von Jugendlichen der siebten und achten Jahrgangsstufe selbst zubereitet. Um 16 Uhr fahren dann die letzten Schulbusse.

Analog zur „Großen Montessori-Arbeit“ der Achtklässler erstellen und präsentieren unsere Viertklässler ihre „Kleine Montessori-Arbeit“ und können dann in die Mittelstufe übertreten.


Die Mittelstufe

Unser Tag startet um 8.30 Uhr mit einem gemeinsamen Morgenkreis, der dazu genutzt wird, den Tag gemeinsam zu beginnen und um wichtige organisatorische Punkte zu besprechen. Außerdem werden in den Gruppen die Morgenkreise mit unterschiedlichen Schwerpunkten gestaltet. Es gibt Englisch-, Mathematik- und Deutschkreise und wir beschäftigen uns mit dem politischen und sozialen Geschehen in der Welt. Anschließend beginnt um 9.00 Uhr die Freiarbeit, in der sich die Schülerinnen und Schüler selbstständig ihre Themen suchen und bearbeiten. Um den Schülern einen gewissen Grad an Orientierung bieten zu können, werden regelmäßig Arbeitsgespräche geführt. Diese geben Aufschluss über den Wissensstand des Schülers und ermöglichen es dem Lehrer, den Schüler dort abzuholen, wo er gerade steht. In unserer Stufe wird sehr viel Wert darauf gelegt, die Schüler immer mit dem Lehrmaterial zu versorgen, das tatsächlich von ihnen benötigt wird. So verfügen wir über Materialien, die den verschiedenen Leistungsansprüchen unserer Schüler entgegenkommen. Ein weiterer wichtiger Punkt der Mittelstufe ist es, den Schülern eine angenehme und vor allem angstfreie Lernatmosphäre zu bieten.

Nach der Vormittagspause wählen die Schüler sich für unterschiedliche Kurse ein. Es gibt die Möglichkeit eine der Werkstätten „Holz“, „Küche“ oder „Textil“ zu belegen und sich am Mittwoch zwischen Ethik, Physik-Chemie-Biologie, Erdkunde oder Geschichte zu entscheiden. Hierbei ist es uns vor allem wichtig, dass die Kinder sich – entsprechend ihrer Interessen – einwählen, denn nur so kann erfolgreiches Lernen garantiert werden. Des Weiteren gibt es freitags zusätzlich eigens einen Kunst- sowie einen Deutsch- Intensivierungskurs.

Bis auf die Fremdsprachen werden die Kernfächer Mathematik und Deutsch als Angebote in der Freiarbeit abgedeckt, in der die Schüler sich – entsprechend ihrer Kenntnisse – einwählen können. Der Englischunterricht findet wöchentlich zu festen, verpflichtenden Zeiten statt. Der Tag endet um 13.00 Uhr nach einem kurzen gemeinsamen Schlusskreis, bzw. einmal wöchentlich um 16.00 Uhr, nach dem Sportunterricht.

Umfrage aus der Mittelstufe:

Josef (11 Jahre): Schule bedeutet für mich, dass ich jeden Tag etwas Neues lerne.

Luka (11 Jahre): Ich mag die Schule, weil man mehr Möglichkeiten hat zu lernen und zu verstehen, was man lernt. Die Schule ist etwas Besonderes, weil man auf seinem Niveau arbeiten kann und die Sachen, die man lernt, auch wirklich verstehen kann. Lernen heißt für mich, etwas zu verstehen, was ich noch nicht weiß. Das mache ich am liebsten: Deutsch, Englisch, PCB und Ethik.

Julia (11 Jahre): Ich mag die Schule, weil ich mich dort wohlfühle und mich gut konzentrieren kann.

Paul (11 Jahre): Ich mag die Schule, weil die Lehrer nett sind.

Veronika (11 Jahre): Die Schule ist etwas Besonderes, weil man dort für etwas mehr Zeit hat und weil ich hier, wenn ich etwas nicht verstehe, es ausführlich erklärt bekomme.

Laura (10 Jahre): Ich gehe gerne in die Schule, weil sie mir Spaß macht.

Aglaia (11 Jahre): Die Schule ist etwas Besonderes, weil alle ein eigenes Niveau haben und auf ihrem Level arbeiten können. Das mache ich am liebsten: Mathe, Englisch, Ethik, Textil und Holz.

Leonardo (11 Jahre): Ich gehe gerne in die Schule, weil es dort cool ist. Die Schule ist etwas Besonderes, weil es dort ruhig ist. Lernen heißt für mich relaxt zu sein.


Die Projektstufe

In der Projektstufe lernen und arbeiten Schülerinnen und Schüler der siebten und achten Jahrgangsstufe. Ihre Betätigungsfelder sind:

Küche:

Für eine Epoche, den Zeitraum zwischen zwei Ferienblöcken, organisieren und kochen sechs Schüler an zwei Tagen der Woche das Mittagessen für die Schulgemeinschaft mit unserer Lehrerin für Ernährung und Soziales.

Malte und Tim: „Das Mittagessen in der Schule schmeckt uns immer sehr gut. Einmal gab es eine scharfe Suppe, die war so lecker, dass jeder von uns sechs Schüsseln davon aß und wir fast den Bus zum Sportunterricht verpassten.“

Elisabeth: „Ich finde es gut, dass die Schüler Teamarbeit in der Küche lernen und Verantwortung für die Gemeinschaft übernehmen.“

Schülerin: „Mir gefällt es, dass wir gemeinsam so große Mengen kochen. Außerdem finde ich es gut, dass wir kochen lernen, da dies im Alltag wichtig ist.“

Holzwerkstatt:

Für eine Epoche arbeiten sechs Schüler mit unserem Schreinermeister in der Holzwerkstatt. Dabei reparieren sie an zwei Tagen der Woche Dinge des Schulgeländes und stellen Gegenstände her, beispielsweise Kerzenständer, Spiele, Holzkästchen und auch Schulmöbel.

Schüler: „Am besten gefällt mir in der Holzwerkstatt, dass man so viele Sachen selber herstellen kann und dabei kreativ und frei arbeiten darf.“

Bernhard: „Mir gefällt das engagierte Arbeiten der Schüler.“

Textilwerkstatt:

Für eine Epoche lernen sechs Schüler den Umgang mit der Nähmaschine und erstellen schöne und praktische Kleinigkeiten in der Textilwerkstatt. Die Lehrerin  kreiert mit den Schülern Kosmetiktäschchen, Lavendelsäckchen, Schlüsselanhänger oder Patchworkarbeiten.

Schülerin: „Ich freue mich darüber, dass ich nun selbstständig kleine Dinge nähen kann.“

Schüler: „Ich finde es praktisch, selber eine Nähmaschine bedienen zu können.“

Schülerfirma:

Die von den Schülern selbstständig hergestellten Produkte aus den Werkstätten werden über die Schülerfirma der Projektstufe vermarktet. Die Firmenleitung teilt sich dabei in die Bereiche Geschäftsführung, Werbung/ Marketing, Buchhaltung und Lagerlogistik auf. Beispielsweise auf Schulfesten werden diese Produkte von den Schülern zum Kauf angeboten.

Comenius-Projekt:

Während dieses Projekts, lernen und forschen sechs Schüler an einem Schultag im Rahmen des Comeniusprojekts. Das Dachthema des Projekts beschäftigt sich mit Heil- und Küchenkräutern. Außerdem beschäftigen wir uns mit regenerativen Energien und ökologischem Landbau. Unsere Comenius-Partnerschulen in Italien, Frankreich und Norwegen arbeiten an demselben Thema. Zudem besuchen sich die Schulen im Rahmen eines internationalen Schüleraustausches gegenseitig.

Schüler: „Am besten gefällt mir die Gartenarbeit im Kräuterbeet. Außerdem finde ich es spannend, in andere Länder zu reisen.“

Klassische Schulfächer:

Für die klassischen Schulfächer wie Mathematik, Deutsch, Englisch, Spanisch, GSE, PCB und die Wahlpflichtfächer (Informatik, Musik, Kunst, Sport) gibt es eine vorbereitete Lernumgebung mit Montessori-Lernmaterialien sowie Einführungen in die Themengebiete und eine individuelle Lernbegleitung durch die Fachlehrerinnen und Fachlehrer.

Betriebspraktikum:

Alle Schüler besuchen im Laufe der siebten und achten Jahrgangsstufe ein- bis mehrwöchige Praktika, um Einblicke in das Berufsleben sammeln zu können. Für die Achtklässler sind die Praktika verpflichtend. Es wird dabei empfohlen, ein praktisches und ein soziales Praktikum zu absolvieren. Für die Siebtklässler ist das Praktikum freiwillig und erfreut sich auch in dieser Jahrgangsstufe schon großer Beliebtheit.

Große Montessoriarbeit:

In der achten Jahrgangsstufe erstellen alle Schüler ihre „Große Montessoriarbeit“, die aus einem praktischen und einem schriftlichen Teil besteht. Am Tag der Präsentation ihrer „Großen Montessoriarbeit“ stellen sie ihre praktische Arbeit einem Publikum aus Eltern, Freunden, Verwandten, Interessierten und Lehrern vor. Auch Vertreter der lokalen Presse und Politiker aus dem Landkreis besuchen diese Veranstaltung. Die Schüler erhalten nach dem Abschluss ihrer „Großen Arbeit“ ihr Montessori-Diplom.


Die Oberstufe

Wer morgens in die Oberstufe kommt, wird von Musik begrüßt. Fabian, Rosi oder Ela sitzen vor Beginn der Arbeitszeit am Klavier und schaffen die Atmosphäre, die es jedem ermöglicht, gerne an diese Schule zu kommen. In ihrer Musik schwingt ihre Disziplin, ihr Esprit und ihre Leidenschaft mit - Eigenschaften, die sie in die täglichen Arbeitsabläufe mitnehmen.

Sie weichen nicht. Nicht aus und nicht zurück. Sie stellen sich. Schwierige Themen wie die Foltermethoden der CIA- Augen auf und rein. Sie lassen sich berühren, sie empören sich. Die Welt wird in ihrer Zeit in guten Händen liegen.

Bis dahin studieren sie Thales und die Wirkung von LSD, die indirekte Rede und den Otto-Motor. Die Prüfungen im Sommer lauern auf sie. Und sie weichen nicht aus. Zielstrebig, ernsthaft und oft mit Begeisterung bewegen sie ihre Themen, halten Referate und schwitzen sich durch Probeprüfungen im Format der Abschlussprüfungen. Prüfungshärte wird hier trainiert. Arbeiten für Noten und unter Zeitdruck ist Neuland für die Montessorischüler. Aber in der Oberstufe haben sie die nötige Reife, sich auch dieser unangenehmen Aufgabe zu stellen. Es darf aber Spaß machen. Wellness Mathe, das SZ-Projekt, der Energietag in Glonn, Englisch Conversation, das sind Selbstläufer. Der Lehrer gibt nur wenige Themen vor, sondern nimmt sie von den Schülern an: „Let`s talk about sex“ ist dann kein Running Gag, sondern eine wertvolle Stunde – mit intimen und vertraulichen Details. Man braucht ein wenig Mut – auch als Lehrer – und viel Vertrauen ineinander und in sich selbst. Welch kostbare Lektion, das hier lernen zu dürfen, jeder in seinem Tempo.

Wir haben starke Individuen und dennoch eine starke Gemeinschaft – oder vielleicht gerade deswegen. So stark, dass sie andere gut hineinlassen können. Morgens am Klavier finden sich auch andächtige Lauscher aus anderen Stufen. Unruhige Zeitgenossen werden still und bleiben es, auch wenn die Musik verklingt. Projektstufenschüler, die im Oberstufenraum arbeiten wollen, sind immer willkommen – und fügen sich reibungslos in die ruhige und intensive Arbeitsatmosphäre der Großen ein.

Ihre echten „Reifeprüfungen“ bestehen sie im Verlauf ihrer Schulkarriere. Wenn Peter an der Prüfungsschule während seines Englisch Quali noch Geld für seinen ersten Roman einsammelt, weil die Glonner Neuntklässler ihn als Klassenlektüre lesen, ist das eindeutig ein „Bestanden“. Ebenso Philipp, wenn er als Neuntklässler die letzte AWT-Stunde vor der M-Prüfung in der 10. Klasse hält, weil die Lehrkraft krank ist – und die älteren Schüler begeistert sind und sich gut vorbereitet fühlen. Wenn Johanna eine Reportage über ein Zweitliga Footballteam schreibt und dieses ihre eine Stelle als Pressesprecherin anbietet – „Bestanden“. Oder wenn Luise uns klarmacht, dass Asylanten eben keine Sozialschmarotzer sind. „Es sind nicht die Faulsten und Schwächsten, die die Flucht wagen, sondern die Mutigsten und Stärksten“. Das geht tief. Auch weil in ihren Worten die Betroffenheit einer 14-jährigen mitschwingt, die jede Woche Flüchtlinge aus Syrien betreut.

In der Oberstufe zeigt sich am stärksten, welche Bedeutung für die Entwicklung der jungen Menschen es hat, über 9 oder 10 Jahre hinweg eigenverantwortliches Lernen praktiziert zu haben.


Niederseeon am Nachmittag

Die Offene Ganztagsschule findet jeweils montags bis donnerstags von 13:00 – 15:50 Uhr für alle Schüler von der 1. bis 10. Jahrgangsstufe statt. Sie erweitert die Lern- und Aktivitätsmöglichkeiten gemäß unseres pädagogischen Konzepts zur ganzheitlichen Entwicklung der Kinder und Jugendlichen. Hierbei steht die Unterstützung von Entfaltungsmöglichkeiten der Persönlichkeit der Kinder und Jugendlichen im Vordergrund. Zudem gewinnen unsere Schüler dabei soziale Erfahrungen und können an weiteren Lern- und Bewegungsangeboten teilnehmen. Das Konzept berücksichtigt in den Grundzügen die pädagogischen Ideen von Maria Montessori, die sowohl die Schulung der intellektuellen, sozialen als auch der praktischen Fähigkeiten vorsieht. Nach Auffassung von Maria Montessori und den Erkenntnissen der Entwicklungspsychologie steht in der Pubertät die Förderung der Persönlichkeitsentwicklung auf „breiter“ Ebene (Bildung, praktische Fähigkeiten, musische Entwicklung, moralische Sensibilität und Stabilität) im Vordergrund.

Schwerpunktmäßig bieten wir folgende Angebote:

  • musisch-kreativ
  • intellektuell-kommunikativ
  • körperliche Bewegung

Sie geben den Kindern und Jugendlichen ergänzend zum Vormittagsunterricht Gelegenheit, ihrem Bedürfnis nach persönlichem Ausdruck und schöpferischer Eigengestaltung nachzugehen. Das unterstützt zusätzlich eine ganzheitliche Bildung. Wir wollen allen Kindern und Jugendlichen ermöglichen, in einer vielfältigen und entspannten Umgebung ihren Impulsen nachzugehen und ihre Potenziale frei zu entfalten.