Maria Montessori

Maria Montessori wurde am 31. August 1870 in dem kleinen Ort Chiaravalle in der Nähe von Ancona in Italien geboren. Sie starb am 6. Mai 1952 fast 82-jährig in Noordwijk aan Zee in den Niederlanden.

Sie setzte es nach zähem Ringen durch, als erste Frau Italiens zum Medizinstudium zugelassen zu werden und war 1896 nach ihrer Promotion die erste Ärztin Italiens.

Bereits vier Jahre später wurde ihr die Leitung einer Modellschule zur Ausbildung von Lehrern von Menschen mit Behinderung übertragen.

Während ihrer Arbeit an diesem medizinisch-pädagogischen Institut entwickelte Maria Montessori ihre Erziehungsmethode zur Unterrichtung von Kindern mit geistiger Behinderung. Dabei griff sie vor allem auf Schriften von Itard und Séguins zurück, zweier französischer Ärzte, die sich zwischen 1775 und 1880 diesem Thema gewidmet hatten.

1902 begann Maria Montessori ihr Pädagogikstudium. In den folgenden Jahren schuf sie ihr pädagogisches System der „Selbsterziehung des Kindes“ in einer didaktisch „vorbereiteten Umgebung“.

1907 eröffnete in Rom ihr erstes „Casa dei Bambini“ (Kinderhaus), wo sie bei der Erziehung verwahrloster Kinder verblüffende Erfolge erzielte.

Ab dieser Zeit widmete Maria Montessori sich für den Rest ihres Lebens fast ausschließlich der weltweiten Verbreitung und Weiterentwicklung ihrer Methode.

Die Jahre des 2. Weltkrieges verbrachte Maria Montessori weitgehend in Indien, was ihre Arbeit nochmals grundlegend beeinflusste. In dieser Zeit erlitt die deutsche Montessori-Bewegung einen erheblichen Rückschlag. Trotzdem setzte Maria Montessori unbeirrbar ihren Kampf für das Kind, den „vergessenen Bürger“, und eine friedvolle Welt bis zu ihrem Lebensende fort.

Den entscheidenden Anstoß zu ihrem Werk verdankt Maria Montessori nach ihren Worten der Beobachtung des Phänomens der „Polarisation der Aufmerksamkeit“. Darunter versteht sie die momentane tiefste Konzentration des Kindes auf einen Interessenspunkt, in der wirkliches Lernen stattfindet. Aus dieser Beobachtung entwickelt sie ihre Erziehungslehre, die sie in zwei Prinzipien zusammenfasst: das Prinzip der „Freiheit des Kindes“ und das Prinzip der „Organisation der Arbeit“. Mit dem unablässigen Bemühen um die Durchführung des ersten Grundsatzes wird sie zur warmherzigsten Befürworterin des Gedankens, der seit Rousseau Eingang in die Pädagogik gefunden hat: dem Kind sein Recht auf Eigenleben zuzugestehen. Sie vollzieht damit jene „eigentümliche Umdrehung“ der Perspektive von allen objektiven Zielsetzungen der Erziehung weg auf das Wachsen und Werden des jungen Menschen.

Literatur: „Maria Montessori, Grundlagen meiner Pädagogik“ (Quelle & Meyer 1965/2011)